Borna »
Emmauskirche Borna
Eine der bekanntesten Kirchen Deutschlands steht in Borna. Bekannt wurde sie durch ihre Umsetzung von Heuersdorf, das der Braunkohle zum Opfer fiel.

Emmauskirche Borna
Die Kirche
Die Heuersdorfer Emmauskirche ist eine Wehrkirche romanischen Ursprungs. Sie bot damals der Dorfgemeinschaft doppelten Schutz. Zum einen den Schutz Gottes, zum anderen den Schutz vor feindlichen Heeren, Räuberbanden, Naturgewalten oder Bränden, denn die Kirche war der einzigste Bau im Dorf, der massiv aus Stein (unbearbeitete Feldsteine) gebaut war. Auch wurden nur kleine Fenster in die Kirche eingebaut, die sich auch noch in einer großen Höhe befanden.
Im Inneren befindet sich u.a. eine hölzerne Kassettendecke (aus der Zeit der Renaissance) die von einer einzigen, mit Blumenmalerei verzierten, Stütze getragen wird. Die Emmauskirche wurde besonders durch den Barock geprägt. Hier ist insbesondere der Dachreiter mit einer geschweiften Welschen Haube zu nennen.
Geschichte
Die in der Kirche vorgefundenen Holzbalken weisen darauf hin, dass die Kirche um 1258 gebaut wurde. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie jedoch erst im Jahre 1297. Die Emmauskirche gehört damit zu den ältesten noch erhaltenen Kirchen in Sachsen.
1542 erfolgte die Einführung der Reformation in Heuersdorf.
Bereits 1949/50 wurde das Schicksal von Heuersdorf besiegelt. Das Dorf wurde zum “Bergbauschutzgebiet” erklärt und damit für die Überbaggerung vorgesehen. Nach 1989 folgte ein jahrelanger Rechtsstreit. Ein Urteil des sächsischen Verfassungsgerichts im Jahre 2005 beendet den jahrelangen Streit und machte alle Hoffnung der Heuersdorfer endgültig zu nichte. Dem Braunkohlentageabbau war eine weitere Ortschaft in der Region zum Opfer gefallen.
Die Umsetzung von Heuersdorf nach Borna
Wegen der kulturhistorischen und geschichtlichen Bedeutung einigten sich die Kirchgemeinde und die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (MIBRAG) auf den Erhalt der Kirche. Die Bornaer Kirchgemeinde erklärte sich bereit, die Emmauskirche zu übernehmen und bot dafür den Martin-Luther-Platz direkt neben der St. Marien Kirche an.
In einer spektakulären Aktion wurde die Kirche dann in der Zeit vom 25. – 31. Oktober 2007 auf 160 Rädern eines 800 PS starken Spezial-Trailers über 12 km von Heuersdorf nach Borna gebracht. Vorher musste das 665-Tonnen-schwere Gebäude reisefertig gemacht werden. Neben dem Ausbau des Inventars wurden zahlreiche Stabilisierungsmaßnahmen vorgenommen. Fünf äußere Stahlgurtungen wurden angelegt und der bis zu 40%ige Hohlraumanteil in den Wänden wurde durch 1.800 Bohrungen mit Schaummörtel befüllt.
Die Überführung verlief mit großem Aufwand reibungslos und wurde von vielen Schaulustigen begleitet. Am Reformationstag nahm die Kirche dann ihren endgültigen Standort in Borna ein. Es folgte die Sanierung und der erste Gottesdienst am Ostermontag 2008.
Adresse / Kontakt
Martin-Luther-Platz
04552 Borna
April – Oktober 10-18 Uhr
November – März 10-16 Uhr
Wie auch die gegenüberliegende Stadtkirche St. Marien ist die Emmauskirche täglich geöffnet und soll als ein Ort der stillen Einkehr für jedermann dienen. Zu bestimmten Zeiten werden auch Führungen angeboten und Veranstaltungen abgehalten.
Tags: Barock, Braunkohle, Braunkohlentageabbau, Kassettendecke, Kirche, Kirchen, Renaissance
(06.04.2009)
Kommentar schreiben